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Unter Achtsamkeit wird in der Alltagspsychologie meist Aufmerksamkeit verstanden. Im psychotherapeutischen Bereich ist seit dem Aufkommen körperorientierter Verfahren in den 1960er und 70er Jahren eine Bedeutungsverschiebung in Richtung eines Verständnisses von Achtsamkeit festzustellen, das aus der buddhistischen Tradition stammt. Im Englischen ist für diese Auffassung mittlerweile der Begriff mindfulness in Verwendung. Im Mentaltraining ist es das gegenwärtige Sein im Hier und Jetzt.

Allgemein

Mit Achtsamkeit im Sinne von Mindfulness ist diejenige geistige Einstellung gemeint, in der man sich um ein breites und gleichmütig-akzeptierendes Achtgeben auf alle Phänomene bemüht, die “im Geist”, also “in” der Wahrnehmung oder Vorstellung (“im Bewusstsein”) auftauchen: Gedanken aller Art wie Erinnerungen oder sonstige Vorstellungen, Sinneswahrnehmungen aus der Umgebung sowie aus dem eigenen Körperinneren einschließlich aller emotionalen Vorgänge.

Einübung und Entwicklung einer derart breiten Achtsamkeit ermöglicht psychologisch ein offenes und umfassendes Gewahrwerden – und mit der Zeit schließlich auch beständiges Gewahrbleiben – aller geistigen Vorgänge einschließlich eines unablässigen Gewahrseins seiner Wahrnehmungen vom eigenen Handeln und Verhalten in der jeweiligen Umwelt.

In dieser Auffassung kann Achtsamkeit klar von Konzentration unterschieden werden. Diese besteht ähnlich der Trance in einer mehr oder weniger engen Fokussierung von Aufmerksamkeit und damit ihrer Begrenzung, Beschränkung oder Zuspitzung auf einen meist selbst “bestimmten” Bereich des Erlebens, sei dies eine Vorstellung, ein Erlebens- oder ein Vorstellungsdetail, das genau dadurch gegenüber allem übrigen (und dann eher wie “nebenbei” oder unaufmerksam) Wahrgenommenen herausgehoben und isoliert wird. Die Entwicklung von Achtsamkeit hat eine dazu gegenläufige Ausrichtung: die unter den Bedingungen des gewöhnlichen Lebens bedarfsmäßig entwickelte und üblicherweise oder gewöhnlich eingenommene Aufmerksamkeitsspanne soll überwunden werden, indem der Aufmerksamkeitsfokus nach und nach auszudehnen und zu erweitern versucht wird. Mittels dieser “Aufmerksamkeitsweitung” soll eine “Bewusstseinserweiterung” im besten Sinn des Wortes erreicht werden und zu einer “weitwinkelartig” offenen und wachen Präsenz voller Aufmerksamkeit oder eben Achtsamkeit führen.

Achtsamkeit in der Psychotherapie

In spirituell orientierten Achtsamkeitsübungen oder Achtsamkeitsmeditationen wird eine erweiterte Selbst- und Welterfahrung angestrebt, wobei Gesundheit und höhere Lebensqualität erwünschte Nebenwirkungen sind. Die therapeutischen Achtsamkeitsübungen dienen vorwiegend der Reduzierung von Krankheitssymptomen und dem Erhalt der Gesundheit.

Geschichte

Die in den fernöstlichen Traditionen verwurzelte Achtsamkeit wurde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts von Elsa Gindler und dann von ihrer Schülerin Charlotte Selver unter der Bezeichnung Sensory Awarenes in westliche psychotherapeutische Konzepte eingeführt. Das Prinzip der Achtsamkeit wurde in psychoanalytische, körperorientierte und humanistische Psychotherapierichtungen integriert. Spezifische Achtsamkeitsübungen wurden seit 1951 in der Gestalttherapie entwickelt. Seit Jon Kabat-Zinn in den 80er Jahren Achtsamkeitsübungen zur “Stressreduktion” (MBSR: mindfulness based stress reduction) in die Medizin eingeführt hat, wurden besonders in der Verhaltenstherapie neue achtsamkeitsorientierte Psychotherapieverfahren entwickelt, in vielen wissenschaftlichen Studien evaluiert und in der evidenzbasierten Medizin etabliert.

Achtsamkeit in der Psychoanalyse

Freud hatte in seiner Methode der freien Assoziation des Analysanten und der gleichschwebenden Aufmerksamkeit des Analytikers eine Art gleichmütig-akzeptierende Achtsamkeit, die er auch kritiklose Selbstbeobachtung nannte, eingenommen und genutzt: „Nachdem es sich der Patient auf der Couch bequem gemacht hat, nimmt der Arzt hinter ihm ungesehen Platz: ‚Bitte teilen Sie mir mit, was Sie von sich wissen, eröffnete er die erste Analysestunde, sagen Sie alles, was Ihnen durch den Sinn geht. Benehmen Sie sich so, wie zum Beispiel ein Reisender, der am Fensterplatz eines Eisenbahnwagens sitzt und dem im Inneren Untergebrachten beschreibt, wie sich vor seinen Blicken die Aussicht verändert.‘“

Die von Luise Reddemann auf psychoanalytischer Grundlage entwickelte Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie enthält als wesentliches Elemente eigenständige Achtsamkeitsübungen.

Achtsamkeit in der Gestalttherapie

In der Gestalttherapie bildet Bewusstheit bzw. Gewahrsein (der englische Ausdruck lautet awareness) von Beginn an (1940er-Jahre) ein grundlegendes Element therapeutischer Theorie und Praxis. Bewusstheit bzw. Gewahrsein kann sowohl eine absichtslose, aktive, innere Haltung der Achtsamkeit, als auch eine mehr gerichtete Form der Achtsamkeit bezeichnen, und sich auf alle Phänomene der Wahrnehmung und des Erlebens richten.

Achtsamkeit in der Klientenzentrierte Psychotherapie und im Focusing

Achtsamkeit und Akzeptanz gehören in der von Carl Rogers entwickelten Klientenzentrierte Psychotherapie und in der von Eugene T. Gendlin entwickelten Methode des Focusing zur Grundhaltung des Therapeuten.

Achtsamkeit in der Körperpsychotherapie

Ron Kurtz hat in den 70er-Jahren „innere Achtsamkeit“ in die Hakomi-Methode integriert. Bei ihm ist Achtsamkeit ein wesentliches Prinzip im therapeutischen Setting. Er hat Gesprächstechniken entwickelt, welche die Achtsamkeit für die momentan wahrgenommenen Empfindungen, Gefühle und Denkprozesse erleichtern und vertiefen. Im Bewusstseinszustand innerer Achtsamkeit wird es möglich, über das gerade Wahrgenommene zu berichten, und gleichzeitig den achtsamen Zustand zu vertiefen. Der Therapeut kann dann das augenblickliche Erleben begleiten. Es werden therapeutische Interventionen möglich, wie sie im direkten Dialog mit Alltagsbewusstsein nicht möglich sind.

Achtsamkeit in der Verhaltenstherapie

In den bisher genannten psychotherapeutischen Ansätzen wird der Bewusstseinszustand der Achtsamkeit innerhalb der therapeutischen Interaktionen für den therapeutischen Prozess genutzt. In der Verhaltenstherapie wird der Nutzen der Achtsamkeitsübung oder Meditation als eigenständiges wirksames Verfahren hervorgehoben. Hier wurden störungsspezifische Übungsprogramme auf der Basis von Achtsamkeitsübungen entwickelt.

Zu den neuen achtsamkeitsorientierten verhaltenstherapeutischen Psychotherapien (mindfulness based psychotherapies, MBT) gehören:

1. Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-based stress reduction) (MBSR) von Jon Kabat-Zinn. Die Therapie wurde vorwiegend zur Stressreduktion bei Stresssymptomen, chronischen Schmerzen und psychosomatischen Beschwerden entwickelt.
2. Akzeptanz- und Commitmenttherapie (Acceptance and commitment therapy) (ACT) von Steven C. Hayes.
3. Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) von Marsha M. Linehan. Diese Therapie wurde zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen entwickelt.
4. Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (Mindfulness-based cognitive therapie) (MBCT) von John D. Teasdale. Die Methode wird zur Rückfallprophylaxe bei Depressionen angewendet.
5. Achtsamkeitsübungen werden bei der Behandlung von ADS/ADHS angewandt.

Achtsamkeit im Mentalen Training

Gegenwärtig im Hier und Jetzt zu Leben. Sich möglichst frei von den negativen Erfahrungen der Vergangenheit und von den Sorgen für das Zukünftige machen. Das Positive aus der Vergangenheit über die Gedankenqualität im Jetzt in die Zukunft mitnehmen. Mentale Achtsamkeitsübungen sind dafür sehr wirksam.

Quellen: Teilweise aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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5 Kommentare auf “Achtsamkeit”

  1. Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel. Man kann der Achtsamkeit nicht genug Raum im Alltag geben, um ein erfülltes Dasein zu leben.

  2. Matthias sagt:

    Hab ihn gelesen und finde Ihn sehr hilfreich Danke nochmal :-)

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    Is für mich in kürzester Zeit so was wie ein Lebens-Leitbild geworden.
    Was mich verwundert: Sind bei Achtsamkeit nicht auch körperliche Aspekte ganz wichtig? Kenne den Begriff eigentlich erst, seit ich mich etwas mit Körperpsychotherapie beschäftige.
    LG, Anna

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