Maja Storch, Benita Cantieni, Gerald Hüther, Wolfgang Tschacher: Embodiment – Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen
Verlag Hans Huber, Bern 2006
Ein tolles Buch, für mich beinahe wie das “missing link” zwischen Polarity (energetischer Körperbehandlung) und Coaching, sowie meines Erachtens nach eine wertvolle Ergänzung zu jeder Kommunikationstheorie.
Mit dem Begriff “Embodiment” , der am besten mit “Verkörperung” gleichzusetzen ist, versuchen vier WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen, sich mit eigenen, für sich stehenden Beiträgen in diesem Buch auseinanderzusetzen. Schon alleine der unterschiedliche Zugang zum Kernthema ist spannend mitzuverfolgen und sollte jedem Leser/jeder Leserin Interessantes bieten können.
Die Grundidee dabei ist, dass sich die emotionellen Lebenserfahrungen im Habitus eines jeden Individuums mehr oder weniger sichtbar manifestieren. Und diese Tatsache sich wiederum Auswirkungen auf unser Denken hat. Ein Kreislauf also. Und um die Komplexität noch zu erhöhen muss man bedenken, dass dieses System wiederum in seiner Ganzheit im Kontext mit unserer Umwelt steht. Und als Krönung dieser Wechselbeziehungen und -beeinflussungen stellen die Autoren die Theorie auf, dass echte Intelligenz Embodiment erfordert. Auch das Sich-Erinnern (Gedächtnis) ist ihrer Meinung nach nicht das Abrufen von etwas, das immer da war, sondern ein Produkt aktiver Musterbildung, also ein konstruktives Wiedererzeugen.
Leider ist gerade das erste Kapitel, wo es um die Einführung und ein prinzipielles Grundverständnis geht, sehr schwierig zu lesen. So bleibt der lustbetonte Zugang zwar verwehrt, das gesamte Werk jedoch belohnt als persönliche Wissensbereicherung dennoch nachhaltig.
Auch der zweite Abschnitt von Maja Storch beginnt sehr kopflastig, wird jedoch in seinen Anwendungsmöglichkeiten dann immer konkreter. Therapeuten, Trainer, Berater und Coaches werden dazu ermutigt, erwünschte psychische Verfassungen über Embodiment zu erzeugen. Gelingt es uns, über den Körper neue Verhaltensmuster zu erlernen, dann werden diese auch in unserem Denken ihren Niederschlag finden.
Benita Cantieni schließlich ist wohltuend bildhaft unterwegs und “Embodiment” bekommt dadurch beim Lesen endlich auch den gebührenden emotionalen Zugang (von mir).
Übungen zum Selbstmanagement, Bewegungen, die an Qi Gong und andere körpermeditative Übungen erinnern, Fragen, die zu stellen es sich lohnt, die Ermutigung, ein “Körpertagebuch” zu führen sowie eine “Checkliste für den spontan erlebnisbereiten Körper” bereichern das Buch wesentlich.
Alles in allem ein inhaltsreiches Buch, das die ernsthafte Wissenschaftsebene nie verlässt und trotzdem lesbar bleibt. Geschrieben zum Zweck,
“….dass der Körper endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die er schon lange verdient hat. Dass er nicht weiter behandelt wird wie eine Maschine, die entweder vergessen oder unterdrückt, oder nur trainiert und operiert wird. Der Körper ist ein wesentlicher Bestandteil der Intelligenz und des gesamten psychischen Systems. ….. Der Keim zum geglückten Aufenthalt im Körperhaus geht nie verloren, er steckt in jedem Menschen und wartet nur darauf, endlich in Freiheit wachsen zu dürfen.” (S. 128)
Viel Spaß beim Entdecken des ganzheitlichen Seins! Das wünscht euch Karin.